Am 27. Februar 1943 fand die “Fabrikaktion” statt, bei der Tausende
Jüdinnen und Juden an ihren Zwangsarbeitsstätten verhaftet und
anschließend nach Auschwitz deportiert wurden. In Berlin waren auch
viele in sogenannter Mischehe Lebende darunter, die im Sammellager in
der Rosenstraße 2-4, dem ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde
zu Berlin, interniert wurden. Als ihre Angehörigen, vorwiegend Frauen,
erfuhren, wo sie sich befanden, harrten sie tagelang vor dem Gebäude aus
– bis zu deren Freilassung. Heute erinnert die Skulptur “Block der
Frauen” von Ingeborg Hunzinger an diese ungewöhnliche Solidaritätsaktion
während der NS-Zeit (Foto: Anne Bobzin). Aus Anlass des 69. Jahrestages
des Rosenstraßen-Protestes möchten wir Sie zu einer Gedenkfeier und
anschließend zu einem Zeitzeugengespräch einladen.
Dienstag, 28. Februar 2012:
17 Uhr, Rosenstraße, Berlin-Mitte, an der Skulptur der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger
Musikalischer Auftakt: Avitall Gerstetter, Kantorin der Jüdischen
Gemeinde zu Berlin Worte des Gedenkens: Barbara Loth, Staatssekretärin
in der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, und Dr.
Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte Historische
Einführung: Barbara Schieb, Gedenkstätte Stille Helden El Male Rachamim:
Kantorin Avitall Gerstetter Schlusswort: Dr. Mario Offenberg,
Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Israelitischen
Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin Perek Tehilim (Psalm) und
Kaddisch: Rabbiner Yaacov Zinvirt
18 Uhr, Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, Rosenthaler Straße 39,
10178 Berlin, Gespräch mit dem Zeitzeugen Eugen Herman-Friede | Eintritt
frei
1926 in Berlin geboren, war der jüdische Jugendliche von der
Deportation bedroht und tauchte im Januar 1943 unter. Seine
russisch-jüdische Mutter Anja Friede wurde am 27.2.1 943 in ihrer
Zwangsarbeitsfirma festgenommen und kam als Ehefrau ihres zweiten
nichtjüdischen Mannes Julius Friede in die Rosenstraße. Julius Friede
gehörte zu den wenigen Männern, die in der Rosenstraße standen. Anja und
Julius Friede berichteten ihrem Sohn Eugen von ihren Erlebnissen,
nachdem Anja Friede freigekommen war.
Initiativkreis: Anne Frank Zentrum | Berliner Vereinigung der
Verfolgten des Naziregimes | Bund der Antifaschistinnen und
Antifaschisten e. V. | Bet Debora e.V. | Bezirksamt Mitte von Berlin |
Deutscher Frauenrat | Deutscher Juristinnenbund e.V. | Frauenarbeit der
Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz | Gedenkstatte
Deutscher Widerstand | Gedenkstatte Stille Helden | Israelitischen
Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin | Senatskanzlei –
Kulturelle Angelegenheiten | Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum
Judaicum | Stiftung Topographie des Terrors | Stiftung ZURUCKGEBEN –
Stiftung zur Forderung judischer Frauen in Kunst und Wissenschaft |
Uberparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e.V.
Montag, 27. Februar 2012
Donnerstag, 23. Februar 2012
„Makom tov – der gute Ort“ - ein neues Buch über einen vergessenen jüdischen Friedhof an der deutsch-polnischen Grenze
Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Frankfurt (Oder) in Słubice reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und er gehört damit zu den ältesten jüdischen Begräbnisstätten in Mitteleuropa. Heute finden sich vor Ort kaum Zeugnisse der Begräbnisstätte, die bereits im 18. Jahrhundert im Siebenjährigen Krieg und schließlich in den 1970er-Jahren fast vollständig zerstört wurde. Die deutsch-polnische Publikation „Makom tov - der gute Ort: Jüdischer Friedhof Frankfurt (Oder) /Slubice" zeichnet diese Geschichte ausführlich nach. Das Buch enthält neben Texten zur Geschichte des Friedhofs, zur Bedeutung der Begräbnisstätte in der jüdischen Kultur sowie einer Beschreibung des regionalhistorischen Kontexts, auch eine reiche Fotodokumentation sowie Übersetzungen der Inschriften aller erhaltenen und vieler nicht mehr erhaltenen Grabsteine.
Buchpräsentationstermin:
28.
März 2012, 11:00 Uhr Stiftung
Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum
Oranienburger Str 28/30
10117 Berlin
10117 Berlin
Das
Buch entstand im Rahmen eines Projektes des Instituts für angewandte Geschichte
– Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V. und ist beim www.vergangenheitsverlag.de
erschienen.
Gefördert vom Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen
Bundestages, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und dem
Förderkreise der Europa-Universität Viadrina e.V.
Mittwoch, 22. Februar 2012
Die Migräne der Stammesmutter – oder wie Ahnen unsere Gesundheit bestimmen
Immer wieder Migräne zur gleichen Jahreszeit, Depressionen oder Hochgefühle: Manche Emotionen können wir uns einfach nicht erklären. Sie kommen regelmäßig zur gleichen Zeit im Jahr – und verschwinden dann wieder. Psychologen entdecken zunehmend das so genannte Jahrestagssyndrom. Der Selbstmord eines Vorfahren kann z.B. über Generationen zu unbewussten Verstimmungen führen. „Unsere Ahnen sind mit uns blutsverwandt, aber oftmals eben auch emotional mit uns verstrickt“, so Ahnenforscher Dr. Alexander Schug. Beziehungssysteme, Glaubenssätze, Störungen, Süchte, Missbrauch, Geheimnisse werden über Generationen weitergegeben – und beeinflussen unser Leben im Positiven wie im Negativen. Wie sehr die Beziehung zu unseren Ahnen sich auch auf die Gesundheit auswirkt, zeigen Viktoria Urmersbach und Alexander Schug in ihrer Buchneuerscheinung „Achtung Ahnen ich komme!“, einem Praxisbuch für die Familienforschung.
„Für uns ist die Familienforschung ein Weg der Selbsterkenntnis. Verstehen können wir uns nur, wenn wir unser emotionales Erbe aufdecken“, so Viktoria Urmersbach. Wie man den Botschaften seiner Vorfahren auf den Grund gehen und Familienforschung zur Entzifferung seiner Gefühle und auch Krankheiten einsetzen kann, zeigt der Praxis-Guide Schritt für Schritt. Alexander Schug ist es wichtig, dass das Buch dabei das Handwerkszeug der traditionellen Ahnenforschung vermittelt, aber neue Fragen stellt – und vor allem deutlich macht: Familienforschung bedeutet nicht nur, Jahreszahlen zusammenzutragen. Es geht darum, das Leben seiner Vorfahren zu ergründen – und kreativ darzustellen, als Buch, als Film, als Podcast. Deshalb geht es im zweiten Teil des Ratgebers ums creative nonfiction writing, um den erzählerischen Gehalt und den roten Faden einer Familiengeschichte. Das Buch zeigt so einen Weg, sich einer Familiengeschichte zu nähern, sie zu verarbeiten und zu verstehen. Letztendlich geht es darum, selbst Regie in seinem Leben zu führen und die emotionale Erbschaft in der Hand zu haben.
Urmersbach und Schug sind sich sicher, dass die detektivische Suche nach Informationen über Ahnen großen Spaß macht und ganz neue Perspektiven auf einen selbst und die Familie wirft. „Gerade auch in Krankheitsfällen, die den Sinn des Lebens hinterfragen lassen und Botschaften für die Betroffenen sein können, kann Ahnenforschung ‚therapeutischen Begleitschutz‘ geben“, so Schug. Urmersbach, erfahrene Journalistin aus Hamburg, ergänzt, dass Familienforschung schon seit Jahren als Trend ausgerufen worden ist. Sie wollte mit ihrem Buch jedoch weit über die bisherigen klassischen Zielgruppen hinausgehen. Herausgekommen ist ein Ratgeber, der junge Menschen ins Thema einführt und die Ahnenforschung „weiblicher“ werden lässt.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Berolinum Latinum – oder: wie modern ist Latein?
Berlinführer existieren in allen Sprachen außer auf Latein. Diese
Lücke schließt ein neue Stadtführer, der von Altphilologen an der
Berliner Humboldt-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Felix Mundt
und Dr. Antonia Wenzel erarbeitet worden ist. Mundt ist einem breiteren
Publikum mit seinen zeitgenössischen Übersetzungen ins Lateinische u.a.
für Die Zeit, 100,6 Motor FM, Radio 1, Kiss FM bekannt. Latein lebt!
Immerhin war und ist Latein eine Universalsprache und rangiert, gemessen
an den Schülerzahlen, in Deutschland auf Platz 3 nach Englisch und
Französisch. Die Touren führen nicht nur an Orte, an denen man Historie
vermutet wie z. B. ins Nikolaiviertel, auf die Museumsinsel, über den
Gendarmenmarkt oder zum Brandenburger Tor , sondern auch auf das
Kulturforum und den neu gestalteten Potsdamer Platz. Selbst Berliner
werden an ihrer Stadt neue Seiten entdecken. Zu den einzelnen Führungen
treten Bilder, Anekdoten und Texte aus Zeiten, in denen man in Berlin
die lateinische Sprache noch an anderen Orten hören konnte als in den
Klassenzimmern ausgewählter Gymnasien. Und keine Sorge: ein
lateinisch-deutsches Vokabelverzeichnis bietet der Band ebenfalls.
Felix Mundt / Antonia Wenzel
Berolinum Latinum. Der 1. Stadtführer auf Latein
ISBN: 978-3-940621-42-9, 16,90 Euro
Mehr Infos hier...
www.vergangenheitsverlag.de
Felix Mundt / Antonia Wenzel
Berolinum Latinum. Der 1. Stadtführer auf Latein
ISBN: 978-3-940621-42-9, 16,90 Euro
Mehr Infos hier...
www.vergangenheitsverlag.de
Dienstag, 17. Januar 2012
Auf der Suche nach den Ahnen – aber wo? Die wichtigsten Quellen...
Wer kennt das nicht: Mit zunehmenden Alter entdeckt man, dass man
allen guten Vorsätzen zum Trotz doch das Kind seiner Eltern ist: Man
ertappt sich dabei, dass Angewohnheiten der Eltern, die man schon immer
anstrengend fand, zu den eigenen geworden sind. Die Ahnen sind in dir!
Immer mehr Deutsche, zunehmend auch Frauen und junge Leute betreiben
heute Familienforschung, wie Viktoria Urmersbach erklärt, Autorin von „Achtung Ahnen, ich komme! Praxisbuch moderne Familienforschung“.
Familienforschung ist wie in einem Kriminalfall zu ermitteln: Informationen müssen beschafft und anschließend die Puzzleteile zusammengesetzt werden. Aber: Wie fängt man an? Aus welchen Quellen kann man Kenntnisse über die Familiengeschichte erlangen?
Den ersten Schritt bei der Erforschung der familiären Vergangenheit bildet die Befragung der Familienmitglieder: In geselliger Runde, beispielsweise an Geburts- oder Feiertagen lassen sich in der Regel nicht nur Namen und erste Lebensdaten bereits verstorbener Verwandter herausfinden, sondern auch Interessantes und Amüsantes – nicht selten bieten die Geschichten rund um Onkel Erwin und Tante Ursel Unterhaltung für den ganzen Abend. Auch in Einzelgesprächen lässt sich Vieles ermitteln – besonders ältere Familienmitglieder können hierbei mit ihren Erinnerungen einiges beitragen. Nicht zu vergessen sind die Schätze, die sich in Form von Fotos und Dokumenten in so manchem Wandschrank oder Nachlass finden: Das Stöbern in alten Tagebüchern, Briefen und Urkunden bietet viel Wissenswertes und bringt den Familienforscher seinen Ahnen ein Stück näher: Die persönlichen Überlieferungen der Verwandten führen ihn in eine andere Zeit und machen deutlich, wie die Ahnen gelebt und gedacht, woran sie geglaubt haben. Neben den persönlichen Hinterlassenschaften geben auch aufbewahrte Dokumente, wie Ahnenpässe, Familienbibeln, Testamente und Schulzeugnisse Aufschluss über vorherige Generationen.
Wichtig bei der Recherche im Familienkreis ist jedoch, niemanden mit der Ahnenforschung zu überrumpeln und behutsam vorzugehen: Traumatische Erlebnisse, beispielsweise aus Kriegszeiten, aber auch Brüche und Konflikte innerhalb der Familie sind oft heikle Themen, die es mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu erforschen gilt.
Schon die Recherche in der Familie fördert in der Regel eine große Menge an Wissenswertem zutage. Bei der Systematisierung und Verwaltung dieser gesammelten Daten können genealogische Computerprogramme helfen. Auch bei der Informationsbeschaffung sind digitale Medien nützlich: Genealogie-Datenbanken im Internet bieten die Möglichkeit, Forschungsergebnisse einzusehen und sich mit anderen Ahnenforschern vernetzen. Eine der wichtigsten Online-Datenbanken für Deutschland sind www.ancestry.com und www.genealogy.net Bei seltenen Familiennamen können auch Online-Telefonbücher einen Erkenntnisgewinn liefern: Hier bestehen gute Chancen, dass Menschen selben Namens auf irgendeinem Wege mit dem Suchenden verwandt sind. Diese potentiellen Verwandten kann man nun kontaktieren und um Daten zur Vervollständigung des Stammbaumes bitten. Vielleicht haben sie sogar selbst schon Nachforschungen über ihre Vorfahren angestellt, die weiterhelfen können.
Weitere Quellen, mit denen man in die familiäre Vergangenheit vordringen kann, bilden die bürokratischen Hinterlassenschaften der Ahnen: In den Archiven der Standesämter lassen sich in den sogenannten Personenstandsregistern Daten zu Geburt, Heirat und Tod der Vorfahren erlangen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen Ahnenforscher in diesen Urkundensammlungen jedoch nicht selbst nach Dokumenten suchen. Erst nach Ablauf festgelegter Fristen (80 Jahre) werden die Akten frei zugänglich. Aber auch bei aktuelleren Akten besteht die Möglichkeit, gegen eine Gebühr gezielt Kopien von Geburts-, Heirats- oder Todesurkunden zu bestellen. Sucht man Informationen über die Zeit vor der Einführung der Standesämter 1874, müssen andere bürokratische Quellen, beispielsweise Steuerbücher herangezogen werden. Am wichtigsten werden dann aber die Kirchenbücher. Da vor allem im Dreißigjährigen Krieg viele alte Überlieferungen verloren gegangen sind, beginnen die Aufzeichnungen der meisten Pfarreien gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Sie enthalten in chronologischer Reihenfolge Daten über Taufen, Firmungen oder Konfirmationen, Eheschließungen und Beisetzungen. In einigen Fällen kann man diese Aufzeichnungen oder Kopien davon noch im Pfarrarchiv selbst finden, meist lagern sie aber, in Form von Mikrofilmen einsehbar, in den zentralen Archiven der Landeskirche, des Kirchenkreises oder des Bistums. (A. Kirschbaum)
Mehr zum Thema: Schug, A. / Urmersbach, V., Achtung Ahnen, ich komme! Praxisbuch moderne Familienforschung, Berlin 2011.
Familienforschung ist wie in einem Kriminalfall zu ermitteln: Informationen müssen beschafft und anschließend die Puzzleteile zusammengesetzt werden. Aber: Wie fängt man an? Aus welchen Quellen kann man Kenntnisse über die Familiengeschichte erlangen?
Den ersten Schritt bei der Erforschung der familiären Vergangenheit bildet die Befragung der Familienmitglieder: In geselliger Runde, beispielsweise an Geburts- oder Feiertagen lassen sich in der Regel nicht nur Namen und erste Lebensdaten bereits verstorbener Verwandter herausfinden, sondern auch Interessantes und Amüsantes – nicht selten bieten die Geschichten rund um Onkel Erwin und Tante Ursel Unterhaltung für den ganzen Abend. Auch in Einzelgesprächen lässt sich Vieles ermitteln – besonders ältere Familienmitglieder können hierbei mit ihren Erinnerungen einiges beitragen. Nicht zu vergessen sind die Schätze, die sich in Form von Fotos und Dokumenten in so manchem Wandschrank oder Nachlass finden: Das Stöbern in alten Tagebüchern, Briefen und Urkunden bietet viel Wissenswertes und bringt den Familienforscher seinen Ahnen ein Stück näher: Die persönlichen Überlieferungen der Verwandten führen ihn in eine andere Zeit und machen deutlich, wie die Ahnen gelebt und gedacht, woran sie geglaubt haben. Neben den persönlichen Hinterlassenschaften geben auch aufbewahrte Dokumente, wie Ahnenpässe, Familienbibeln, Testamente und Schulzeugnisse Aufschluss über vorherige Generationen.
Wichtig bei der Recherche im Familienkreis ist jedoch, niemanden mit der Ahnenforschung zu überrumpeln und behutsam vorzugehen: Traumatische Erlebnisse, beispielsweise aus Kriegszeiten, aber auch Brüche und Konflikte innerhalb der Familie sind oft heikle Themen, die es mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu erforschen gilt.
Schon die Recherche in der Familie fördert in der Regel eine große Menge an Wissenswertem zutage. Bei der Systematisierung und Verwaltung dieser gesammelten Daten können genealogische Computerprogramme helfen. Auch bei der Informationsbeschaffung sind digitale Medien nützlich: Genealogie-Datenbanken im Internet bieten die Möglichkeit, Forschungsergebnisse einzusehen und sich mit anderen Ahnenforschern vernetzen. Eine der wichtigsten Online-Datenbanken für Deutschland sind www.ancestry.com und www.genealogy.net Bei seltenen Familiennamen können auch Online-Telefonbücher einen Erkenntnisgewinn liefern: Hier bestehen gute Chancen, dass Menschen selben Namens auf irgendeinem Wege mit dem Suchenden verwandt sind. Diese potentiellen Verwandten kann man nun kontaktieren und um Daten zur Vervollständigung des Stammbaumes bitten. Vielleicht haben sie sogar selbst schon Nachforschungen über ihre Vorfahren angestellt, die weiterhelfen können.
Weitere Quellen, mit denen man in die familiäre Vergangenheit vordringen kann, bilden die bürokratischen Hinterlassenschaften der Ahnen: In den Archiven der Standesämter lassen sich in den sogenannten Personenstandsregistern Daten zu Geburt, Heirat und Tod der Vorfahren erlangen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen Ahnenforscher in diesen Urkundensammlungen jedoch nicht selbst nach Dokumenten suchen. Erst nach Ablauf festgelegter Fristen (80 Jahre) werden die Akten frei zugänglich. Aber auch bei aktuelleren Akten besteht die Möglichkeit, gegen eine Gebühr gezielt Kopien von Geburts-, Heirats- oder Todesurkunden zu bestellen. Sucht man Informationen über die Zeit vor der Einführung der Standesämter 1874, müssen andere bürokratische Quellen, beispielsweise Steuerbücher herangezogen werden. Am wichtigsten werden dann aber die Kirchenbücher. Da vor allem im Dreißigjährigen Krieg viele alte Überlieferungen verloren gegangen sind, beginnen die Aufzeichnungen der meisten Pfarreien gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Sie enthalten in chronologischer Reihenfolge Daten über Taufen, Firmungen oder Konfirmationen, Eheschließungen und Beisetzungen. In einigen Fällen kann man diese Aufzeichnungen oder Kopien davon noch im Pfarrarchiv selbst finden, meist lagern sie aber, in Form von Mikrofilmen einsehbar, in den zentralen Archiven der Landeskirche, des Kirchenkreises oder des Bistums. (A. Kirschbaum)
Mehr zum Thema: Schug, A. / Urmersbach, V., Achtung Ahnen, ich komme! Praxisbuch moderne Familienforschung, Berlin 2011.
Freitag, 6. Januar 2012
Wie Heinrich Dräger eine jüdische Familie rettete
Die Lübecker Online-Zeitung www.hl-live.de berichtet jüngst über das
neue Buch "Spurensuche" von Susanne Krejsa: "Ein verblichenes Protokoll
vom Herbst 1945 wurde zum Ausgangspunkt einer fünfjährigen Recherche,
deren spannendes Resultat die Wiener Journalistin Susanne Krejsa soeben
als Buch vorlegte: Sie konnte nachverfolgen, wie es dem Lübecker
Industriellen Heinrich Dräger mittels genialer Täuschung gelungen war,
die Berliner Apothekerfamilie Silten vor der Vernichtung durch die Nazis
zu retten.
Strippenzieher dieses Manöver zur Rettung seiner langjährigen Geschäftsfreunde wurde der Berliner Rechtsanwalt Helmut Pfeiffer. Der bullige Westfale Pfeiffer nützte seine Position im Dunstkreis des gefürchteten Ministers Hans Frank für eigene Aktivitäten. Pfeiffer fungierte als Generalsekretär der Internationalen Rechtskammer (Präsident: Hans Frank), als ‚Führer’ im Reichssicherheitshauptamt und gleichzeitig eben auch als Rechtsanwalt in Berlin. Schon früh war er der NSDAP beigetreten, hatte dank eines prominenten Fürsprechers auch bald Aufnahme in die SS gefunden. Aufgrund seiner verschiedenen Positionen verfügte er über Insiderwissen und ausgezeichnete Kontakte.
Die Leser von ‚Spurensuche: NS-Anwalt und Judenretter Helmut Pfeiffer’ gehen mit der Autorin auf eine verschlungene Suche, zu Schauplätzen, in Archive und Bibliotheken, folgen falschen Fährten, landen mit ihr in Sackgassen, triumphieren gemeinsam über gelungene Schlussfolgerungen, knirschen mit den Zähnen, lachen über unerwartete Komik und lernen ganz nebenbei eine Menge über das ‚Dritte Reich’. Ein Buch für Krimileser, für Geschichtsinteressierte und für Neugierige, die gerne wissen wollen, wie Journalisten denn so arbeiten." (zur Website...)
Susanne Krejsa ‚Spurensuche. Der NS-Anwalt und Judenretter Helmut Pfeiffer’Vergangenheitsverlag Berlin, ISBN 978-3864080036
Strippenzieher dieses Manöver zur Rettung seiner langjährigen Geschäftsfreunde wurde der Berliner Rechtsanwalt Helmut Pfeiffer. Der bullige Westfale Pfeiffer nützte seine Position im Dunstkreis des gefürchteten Ministers Hans Frank für eigene Aktivitäten. Pfeiffer fungierte als Generalsekretär der Internationalen Rechtskammer (Präsident: Hans Frank), als ‚Führer’ im Reichssicherheitshauptamt und gleichzeitig eben auch als Rechtsanwalt in Berlin. Schon früh war er der NSDAP beigetreten, hatte dank eines prominenten Fürsprechers auch bald Aufnahme in die SS gefunden. Aufgrund seiner verschiedenen Positionen verfügte er über Insiderwissen und ausgezeichnete Kontakte.
Die Leser von ‚Spurensuche: NS-Anwalt und Judenretter Helmut Pfeiffer’ gehen mit der Autorin auf eine verschlungene Suche, zu Schauplätzen, in Archive und Bibliotheken, folgen falschen Fährten, landen mit ihr in Sackgassen, triumphieren gemeinsam über gelungene Schlussfolgerungen, knirschen mit den Zähnen, lachen über unerwartete Komik und lernen ganz nebenbei eine Menge über das ‚Dritte Reich’. Ein Buch für Krimileser, für Geschichtsinteressierte und für Neugierige, die gerne wissen wollen, wie Journalisten denn so arbeiten." (zur Website...)
Susanne Krejsa ‚Spurensuche. Der NS-Anwalt und Judenretter Helmut Pfeiffer’Vergangenheitsverlag Berlin, ISBN 978-3864080036
Freitag, 2. Dezember 2011
Achtung Ahnen ich komme! Familienforschung heute
Wer bin ich? Diese Frage ist für uns existenziell. Wer
wir sind, wieso wir geworden sind, wie wir sind – das lässt sich vor allem aus
der eigenen Familiengeschichte schöpfen und beantworten. Viktoria Urmersbach
und Alexander Schug haben in ihrer Buchneuerscheinung „Achtung Ahnen ich komme!“
diese Fragen aufgegriffen und ein Praxisbuch für die Familienforschung
vorgelegt, das die gute alte Genealogie auf den Kopf stellt. Die beiden Autoren
präsentieren Thesen, die in der Ahnenforschung noch weitgehend Neuland sind.
Viktoria Urmersbach bringt es auf den Punkt: „Für uns ist die Familienforschung
zu allererst ein Weg der Selbsterkenntnis. Die Ahnen sind in dir und haben
etwas zu sagen; verstehen können wir uns nur, wenn wir unser emotionales Erbe aufdecken“.
Wie man den Botschaften seiner Vorfahren auf den Grund gehen und
Familienforschung als Hobby, unterhaltsame wie spannende Freizeitbeschäftigung
oder auch als therapeutisches Mittel einsetzen kann, zeigt der Praxis-Guide
Schritt für Schritt. Alexander Schug ist es wichtig, dass das Buch das
Handwerkszeug der traditionellen Ahnenforschung vermittelt, aber neue Fragen
stellt und vor allem deutlich macht: Familienforschung bedeutet nicht nur,
Jahreszahlen zusammenzutragen, sondern das Leben seiner Vorfahren zu ergründen –
und kreativ darzustellen, als Buch, als Film, als Podcast. Deshalb geht es im
zweiten Teil des Ratgebers ums creative nonfiction writing, um den
erzählerischen Gehalt und den roten Faden einer Familiengeschichte.
Urmersbach und Schug sind sich sicher, dass die
detektivische Suche nach Informationen über Ahnen großen Spaß macht und ganz
neue Perspektiven auf einen selbst und die Familie wirft. „Ich habe noch nie so
viel mit der Familie diskutiert über mich, meine Eltern und Großeltern, unsere
gegenseitigen Erwartungen und darüber, was diese Familie wohl ausmacht“, so
Schug. Urmersbach, erfahrene Journalistin aus Hamburg, ergänzt, dass
Familienforschung schon seit Jahren als Trend ausgerufen worden ist. Sie wollte
mit ihrem Buch jedoch weit über die klassischen Zielgruppen der über
60-jährigen Männer hinausgehen. Herausgekommen ist ein Ratgeber, der junge
Menschen ins Thema einführt und die Ahnenforschung „weiblicher“ werden lässt.
Die Autoren haben damit einen modernen und frischen
Ansatz der Familienforschung entwickelt. Dabei verabschieden sie sich vor allem
vom Konzept der Blutsverwandtschaft und präsentieren einen Weg, wie
Familienforschung in Zeiten der modernen Patchworkfamilie aussehen kann. Und
weil die Geschichte weitergeht, stellt sich auch die Frage, welche Spuren das
eigene Leben hinterlässt und wie man selbst ein guter Ahne wird.
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